Mein Start in die Selbstständigkeit – First Steps

Wer selbstständig ist, der ist vor allem eines: selbst und ständig. Dennoch – oder gerade deswegen? – reizt es immer mehr Menschen, sich etwas Eigenes aufzubauen, sein eigener Chef zu sein und seine Träume zu verwirklichen und Visionen zu realisieren. Und davon möchte ich mich nicht ausnehmen. Ich habe mir mit Carmushka und Oh April Selbstständigkeiten aufgebaut, die mich tagtäglich dazu befähigen, meinen Traumjob auszuüben. Da das Thema Selbstständigkeit viele Fragen aufwirft und ich immer wieder Nachrichten dazu bekomme, werde ich in diesem Blogbeitrag in einer Art Q&A die am häufigsten gestellten Fragen zu meiner Selbstständigkeit beantworten.

Eure meistgestellten Fragen:
Wie und wann hast du mit der Selbstständigkeit begonnen?

Bei mir war es ein schleichender Prozess in die Selbstständigkeit und keine Hau-Ruck-Aktion von null auf hundert, in der ich meinen Job gekündigt und durchgestartet habe. Ich habe mich nicht einfach ins Ungewisse gestürzt, so viel schon einmal vorab. Während meines Bachelorstudiums in Germanistik habe ich schon viel nebenbei gearbeitet und mich durch Model- und Promotionjobs finanziert. Dafür musste ich damals schon ein Gewerbe angemeldet haben. Nach meinem Studium stand ich dann an dem Punkt, an dem ich mich selbst gefragt habe, wie es weitergehen soll. Ob ich jetzt weiter modeln und von Job zu Job tingeln will oder lieber etwas Eigenes, Cooles draus machen möchte. Und habe mich für Letzteres entschieden.

Womit hast du dich selbstständig gemacht?

Nach und schon während meinem Studium habe ich mich vor allem auf Social Media konzentriert. Mein Blog und meine Arbeit ganz allgemein als Content Creator sind bereits eine Selbstständigkeit. So richtig, also im klassischen Sinne selbstständig wurde ich dann mit der Gründung unseres eigenen Labels Oh April. Ich habe also zwei verschiedene Selbstständigkeiten.

Braucht man ein finanzielles Startkapital und woher hattest du deins?

Ja, für eine Unternehmensgründung benötigt man zu Beginn neben der eigentlichen Idee vor allem eins: Startkapital. Das habe ich mir durch meine Social Media Arbeit von Carmushka aufgebaut. Wer kein Startkapital hat, wohl aber diesen einen Traum, dem rate ich einfach erst einmal neben dem Job anzufangen und sich etwas aufzubauen. Und dann geht es vor allem darum – entschuldigt meinen Ausdruck – sich den Arsch aufzureißen! Nehmt alles mit was geht. Als Model habe ich zwar schon ganz gut verdient, aber ich habe früher wirklich jede Chance wahrgenommen, mir noch etwas dazuzuverdienen. Ich habe von Käseverkostungen, über Hostess-Tätigkeiten, oder an der Supermarktkasse arbeiten, alles gemacht und war mir nie zu schade für etwas. Seit ich 16 war habe ich eigentlich immer irgendetwas gemacht, um Geld zu verdienen und das Geld entsprechend gespart und auf die Seite gelegt. Sprich: um mir die Selbstständigkeit zu ermöglichen, habe ich zunächst einmal gearbeitet. Natürlich gibt es unterschiedliche Arten der Selbstständigkeit. Wer etwas produzieren möchte, benötigt viel mehr Geld, als jemand mit der berühmten 1-Million-Dollar-Idea auf Sponsoren oder Inverstoren-Suche geht und seine Idee Unternehmen pitched.

Machst du deine Steuern selbst oder hältst du einen Steuerberater für nötig?

Die Steuerabgaben sind in der Selbstständigkeit ganz andere und deutlich komplexer. Daher lohnt es sich, Geld für einen Steuerberater einzukalkulieren. Anfangs habe ich mich damit alleine auseinandergesetzt, aber mittlerweile mache ich das in Zusammenarbeit mit einem Steuerbüro. Dennoch muss auch hier extrem viel Papierkram von mir selbst vorsortiert werden, alle Belege eingereicht und alles dokumentiert werden. Gerade im Bereich Social Media gibt es hier etliche wichtige Punkte, auf die geachtet werden muss. Darauf gehe ich gerne in einem späteren, eigenen Blogbeitrag ein, wenn das von euch gewünscht ist.

Wie funktioniert eine Gewerbeanmeldung?

Viele selbstständige Tätigkeiten, die mit der Absicht ausgeübt werden, regelmäßig Geld zu verdienen, sind – steuerlich betrachtet – ein Gewerbe. Daher sollte dieses unbedingt angemeldet werden! Das funktioniert ganz einfach, wenn man persönlich beim Gewerbeamt vorbeischaut und dort einen Gewerbeschein beantragt. Die Gewerbemeldestelle in eurer Stadt beziehungsweise Region findet man leicht über Google. Diese Stelle wird häufig auch einfach als Gewerbeamt bezeichnet. Ein wichtiger Hinweis hier ist, dass Gewerbe soll grundsätzlich nur von Volljährigen ausgeübt werden soll nach deutscher Rechtsprechung.

Hast du dir auch mal Sorgen gemacht?

Ich würde lügen, wenn ich das verneinen würde. Bei Oh April war es so, dass ich plötzlich ein Unternehmen geführt habe, Mitarbeiter hatte und entsprechend eine ganz neue Verantwortung. Arbeitsverträge mussten aufgesetzt und natürlich auch eingehalten werden. Ja, es ist ein großes Risiko und vor allem eine riesige Verantwortung, die einem schon mal etwas beunruhigen kann, das wird denke ich an dieser Stelle schon klar. Aber wenn man weiß, was man will und sich etwas fest vornimmt und bereit ist, dafür hart zu arbeiten, dann kann und wird es auch klappen. Das habe ich mir in zweifelnden Momenten immer gesagt und so ist es auch gekommen. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht über meine Rente oder über den Fall, dass ich krank werde, aber da kommen wir zur nächsten Frage…

Wie läuft das mit den Versicherungen?

Es gilt als Selbständiger, sich sehr gut abzusichern. In die private Rentenkasse einzuzahlen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (wenn möglich) abzuschließen etc. Und wer selbstständig ist, hat keinen Arbeitgeber, was einige Änderungen mit sich bringt.  Man ist nämlich im Regelfall nicht mehr gesetzlich versichert und zahlt so auch seine Krankenversicherung selbst.

Was hast du für Tipps?

Was jede Art der Selbstständigkeit mit den anderen gemein hat: man braucht eine Vision und zwar in jedem Fall und für diese Vision muss man leben und brennen. Konkrete Ziele sind extrem wichtig und natürlich eine Prise Mut.

Was sind die größten Vor- und Nachteile?

Wie der Name schon sagt: wer selbstständig ist, der ist selbst und ständig. Man ist selbst bedeutet positives: Man hat sein eigenes Zeitmanagement, ist sein eigener Chef und hat niemanden, der einem Aufgaben vorgibt. Es bedeutet aber auch, dass man alles selbst organisieren, strukturieren und zurechtlegen muss. Man ist für seinen Erfolg vollkommen selbst verantwortlich und somit auch für das, was am Ende des Monats auf seinem Konto eingeht. Diese Unabhängigkeit kann toll sein, birgt aber auch mit der Verantwortung einhergehend einen enormen Druck. Wenn du nicht arbeitest, kommt kein Geld rein. Und es gibt auch Monate in denen du fleißig arbeitest und trotzdem kein Geld dabei rumkommt, auch das kann in der Selbstständigkeit passieren. Außerdem gilt für den Begriff ständig: Mein Job ist mein Privatleben. Als Selbstständiger schaltest du nie richtig ab, der Job nimmt dich immer und überall in Anspruch und wenn am Wochenende oder abends etwas getan werden muss, dann ist das eben so. In der Selbstständigkeit lässt man nicht freitags um eins den Stift fallen und verabschiedet sich ins Wochenende.

Hattest du einen Businessplan?

Oder: Braucht man wirklich einen Businessplan um selbständig durchzustarten? Heute würde ich sagen: ja. Damals in meiner Anfangszeit war mir das noch nicht immer so klar. Bei Carmushka war es wie gesagt ein schleichender Prozess, anders bei Oh April, wo wir viel professioneller (und zwar von Anfang an) vorgegangen sind und daher natürlich auch einen Businessplan aufgestellt haben. Und ja, das ist Arbeit, vor allem Arbeit, die nicht immer Spaß macht. Aber es geht darum, die eigene Geschäftsidee aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten, einen Finanzplan zu erstellen und sowohl die Chancen und Risiken abzuwägen, als auch den eigenen Markt und somit auch die Wettbewerber kennenzulernen und so herauszufinden, was euch mit eurer Idee besonders macht und hervorhebt. Nur so seid ihr in der Lage potenziellen Kunden eure Idee und Vision prägnant und vor allem professionell und kompetent zu vermitteln. Es ist die Basis eurer erfolgreichen Gründung und sollte nicht vernachlässigt werden.

How to do Selbstständigkeit – wie fange ich überhaupt an?

Businessplan erstellen:

Hier geht es darum, dir überhaupt deine Vision zu konkretisieren, also was möchte ich machen, was brauche ich dafür, was fehlt mir noch? Hierzu gehört neben dem Finanzplan und dem Zeitplan auch die Überlegung, wie der Außenauftritt aussehen soll, also welchen Namen und welches Logo ihr haben werdet.

Gewerbe anmelden:

Damit schafft ihr die rechtliche Grundlage für eure zukünftige Selbstständigkeit. Denn ohne eine Steuernummer vom Finanzamt kann man keine Rechnungen schreiben, leuchtet ein oder?

(Steuer-)rechtlich Grundlagen kennen:

Es ist wichtig, sich vorab darüber zu informieren, wie es mit Versicherungen aussieht, um private und gewerbliche Risiken der Selbstständigkeit zu minimieren. Denn für viele Risiken gibt es Versicherungen. Hier ist es aber wichtig zu wissen, welche Kosten auf euch zukommen.

Markenschutz sichern
:

Euer Unternehmen sollte unter einer guten Internetadresse zu finden sein, die müsst ihr euch allerdings sichern, das gilt ebenfalls für den Firmennamen an sich.

Startkapitel ersparen:

Work, work, work… und denkt daran: Geld haben kommt von Geld halten. Denn Selbstständigkeit bedeutet zunächst Investitionen und Kosten. Wenn das Ersparte nicht ausreicht, gibt es auch andere Möglichkeiten zur Finanzierung, wie über einen Kredit –  das alles solltet ihr in eurem Businessplan bereits durchdacht haben.

Gründungsprozess durchdenken:

Es gibt verschiedene Unternehmens- und Rechtsformen, die man in Deutschland gründen kann, die mit jeweils unterschiedlichen Anforderungen verbunden sind, denn es gibt neben Einzelunternehmen oder Personengesellschaften auch Kapitalgesellschaften wie eine GmbH. Das alles sollte gut durchdacht sein und dann je nachdem beim Notar entsprechend eingetragen werden.

XOXO, Carmen

  1. Liebe Carmen,

    vielen Dank für deine Mühe und die Einblicke! Deine Selbstständigkeit(en) sind wirklich super spannend und ich habe sehr großen Respekt vor dir für dein Durchhaltevermögen.
    Mich würde interessieren, ob du eine „grobe“ Einschätzung darüber geben könntest, wo man preislich pro TKP in den Stories ansetzen kann. Dabei geht es ja auch gar nicht bloß um „Traumpreise“, die natürlich jeder gern hätte, sondern auch darum, den Markt nicht kaputt zu machen indem man seine Leistungen unter Wert anbietet. Zu Postings findet man online ja bereits grobe Anhaltspunkte, aber die Unaufgeklärtheit vieler kleinerer Blogger führt leider auch dazu, dass der Preis von Firmenseite aus unglaublich gedrückt werden kann, wodurch es einem teilweise (unnötigerweise) erschwert wird, sich als Creator einen Nebenverdienst aufzubauen. Ich verstehe natürlich dass du dich selbst damit angreifbar machen würdest, weshalb es in diesem Fall super praktisch ist, dass deine Storyviews nicht öffentlich einsehbar sind. Ansonsten freue ich mich (und viele andere Blogger <100K sicherlich auch!), wenn du uns eine Anlaufstelle nennen könntest, bei der wir uns informieren könnten.

    Ganz liebe Grüße ♡

  2. Liebe Carmen, Danke für Deinen wertvollen und gelungenen Bericht über deinen Start in die Selbständigkeit. Ich finde Du machst das großartig. Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg und dafür das Du so bist, wie Du bist!
    Du bist eine Inspiration und ein Vorbild für viele junge Menschen.
    Ich habe mich vor 35 Jahren selbstständig gemacht und kann bestätigen: Wer selbstständig ist, arbeitet ständig selbst! Es ist für mich sehr interessant zu verfolgen, wie sich junge Mensch in der heutigen Zeit von Erfolg zu Erfolg pushen und motivieren. Deine Storys schaue ich sehr gerne.

    Zur Selbstständig gehört wirklich eine LKW Ladung Mut, um seine Visionen umsetzen zu können, Durchhaltevermögen, Disziplin, ein Sack voller Ideen, Kreativität, das richtige Bauchgefühl, reichlich Selbstvertrauen und den eisernen Willen, niemals aufzugeben. Als Selbständiger erfindet man sich in gewisser Weise immer wieder NEU. Stillstand, oder gar sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, wäre der falsche Weg. Das A und O einer Selbständigkeit sind aber auch gute Kontakte und ein loyales, professionelles Umfeld. Ich sage mir ab und zu, ich möchte noch mal 25 sein, aber ausgestattet mit den Kontaktdaten von heute, hi hi hi.

    Bei aller Selbstständig sollte man aber auch auf sein Herz hören. Tut mir die Selbstständig wirklich gut oder schwächt sie mich vor lauter Zukunftsangst. Bin ich dem Stress wirklich nervlich gewachsen. Achte also immer auf eine gelungene Work-Life-Balance und höre auf die Zeichen der Seele.

    So wünsche ich dir von Herzen zur Unterstützung für all deine Vorhaben immer ein loyales, vertrauensvolles Umfeld und liebevolle Menschen in deiner Nähe.

    Alles Gute für deine Zukunft, weiterhin viel Glück und Erfolg.
    Viele liebe Grüße aus Hamburg,
    Ilona

  3. Vielen Dank für diesen tollen und aufschlussreichen Beitrag 🙂
    Du bist wirklich eine Power Frau und eine große Inspiration für mich. Wobei ich ja nicht die einzige bin, die das so sieht. 😉

    Liebste Grüße

  4. Ich finde es super, auch mal dieses Thema auf einem Blog zu finden. Danke dafür. Leider sind nicht viele bereit darüber zu reden/schreiben und sind eher abgeneigt. Wobei ich nichts schlimmes daran finden kann, wenn man auch darüber spricht und einem evtl. Helfen kann. Also gerne mehr darüber. LG Diana

  5. Wow! Toller Artikel! Visualisierung ist auch ein ganz wichtiger Punkt bei einer Selbstständigkeit. Was möchte ich? Wo möchte ich hin? Wer möchte ich sein?

    Es ist icht für jeden etwas, da muss man sich seiner Herausforderung deutlich werden.

    Liebe Grüße

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